Umwelt-KOMPASS Viernheim
Ökologische Produktinformationen der
KOMPASS-Umweltberatung Viernheim e.V.
Greenwash - alles nur Grünfärberei?

Falsche Umwelt-Lobbyisten haben Hochkonjunktur


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Umweltschutz gilt den Deutschen mehrheitlich als wichtiges Anliegen. Der Klimawandel ist in aller Munde. Das bestätigen nicht nur Umfragen. Auch grüngefärbte Politikerreden und Klimakampagnen großer Unternehmen zeigen, dass man ein gestiegenes Umweltbewusstsein in der Öffentlichkeit erkannt hat.

Nicht selten wird dabei aber zu dick aufgetragen und geschickt getäuscht. Der Energiekonzern Vattenfall hat spätestens seit der Pannenserie in den Atomkraftwerken Brunsbüttel und Krümmel im Juni 2007 ein gehöriges Imageproblem. Rund 250.000 Stromkunden Vattenfalls wechselten zur Konkurrenz. Als Reaktion darauf schaltete Vattenfall in Tageszeitungen ganzseitige Anzeigen, in denen das Unternehmen eine Pilotanlage für ein so genanntes Kohlendioxid-freies Braunkohlekraftwerk als Klimaschutz verkauft.

"CO2-frei" meint hier das Auffangen und Speichern des klimaschädlichen Gases, damit es nicht in die Atmosphäre gelangt.
Das sei aber irreführend und damit wettbewerbswidrig, entschied das Berliner Landgericht und untersagte dem Konzern, mit dem Begriff "CO2-frei" zu werben. Begründung: Im Fall einer unterirdischen Lagerung könne nicht von einem CO2 -freien Kraftwerk die Rede sein. Zudem entwichen auch bei der vermeintlich CO2-freien Technik mindestens zehn Prozent in die Luft.

Dies ist ein Beispiel für Greenwash. Zu deutsch: Grünfärberei.

"Seitdem der Klimwandel im Umweltbewusstsein der Gesellschaft verankert ist, erleben wir eine neue Welle des Grünwaschens", schreibt Lobbycontroller Ulrich Müller in seiner brandaktuellen Greewash-Studie. Zwar sollte nicht jedes ökologische Projekt eines jeden Unternehmens von vorneherein als Greenwash gesehen werden. Doch sei klar, schreibt Müller, dass "die Imagewerbung der Unternehmen gerade nicht auf eine sachliche Debatte hin ausgerichtet ist, sondern als Beruhigungspille dient". Deshalb sollte man sich im Umgang mit grünfärberischen Kampagnen bewusst machen, welche Ziele ein Unternehmen damit verbindet.

Greenwash: Was steckt hinter dem Begriff?

· Der Begriff, zu deutsch Grünfärben, bezeichnet eine Strategie, mit der sich Akteure durch die gezielte Verbreitung von Desinformation ein Image ökologischer Verantwortung zu verschaffen suchen.

· Die zu diesem Zweck angewendeten Methoden reichen von Anzeigen und Werbeplakaten über PR-wirksame Modellprojekte oder Kooperationen mit Umweltverbänden bis hin zu industriegesteuerten Schein-Bürgerinitiativen.

· Als Folge des gestiegenen Umweltbewusstseins der Konsumenten wird ein öffentlich kommuniziertes "grünes" Image verstärkt als Wettbewerbsfaktor verstanden, um Kunden zufrieden zu stellen.

· Greenwash dient nicht primär der direkten Verkaufsförderung, sondern in erster Linie der politischen Beeinflussung von Entscheidungsträgern, Meinungsmachern und kritischen Konsumenten.

(Quelle: LobbyControl)

So durchschauen Sie Greenwash

1. Bedenken Sie, dass die meisten Unternehmen Umweltprobleme und Klimawandel nicht aus eigenem Antrieb angehen.
Sie tun dies nur auf öffentlichen oder politischen Druck hin. Diesen Druck versuchen sie beispielsweise mit grünen Kampagnen abzufedern. Genaues und kritisches Hinsehen ist deshalb nach Ansicht der Initiative Lobbycontrol "der erste Baustein im Umgang mit Grünfärberei".

2. Hinterfragen Sie und omnipräsente Werbeplakate
Warum gibt es diese Anzeigen gerade jetzt? Gibt es Konflikte um das Unternehmen? Welche politischen Maßnahmen wollen die möglicherweise verhindern?


3. Nehmen Sie Greenwash-Anzeigen zum Anlass, sich selbst kritische oder alternative Informationen zu besorgen
Das Internet hilft da oft weiter. Informationsquellen können beispielsweise kritische Nachhaltigkeitsberichte oder Studien sein, die Nichtregierungsorganisationen oder kritische Aktionärsgruppen herausgeben. In Deutschland können die im Netzwerk für Unternehmensverantwortung Cora zusammenge-schlossenen Organisationen unter www.cora-netz.de eine erste Anlaufstation sein.

4. Für den Fall irreführender Reklame können Sie sich beim Deutschen Werberat beschweren (www.werberat.de).
Der kann dann eine Rüge aussprechen, tut dies jedoch selten. Unternehmen ziehen aber in manchen Fällen die Anzeige zurück. Klagen können Sie nicht als Einzelperson, das dürfen nur Verbraucherschutzorganisationen wie zum Beispiel Foodwatch. Zudem muss die irreführende Werbung einen Produktbezug haben, was bei vielen Greenwash-Anzeigen nur indirekt gegeben ist.

5. Nehmen Sie auch die Rolle der Medien kritisch in den Blick
Ist jede Anzeige in Ordnung, wenn sie nur Geld in die Kasse spült, egal wie verzerrend sie ist? Wie lässt es sich mit dem Selbstverständnis der Presse vereinbaren, dass Sie über einseitige Anzeigen von Unternehmen Träger von Desinformationen werden?

Quelle: UmweltBriefe 04/08


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