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Umwelt-KOMPASS Viernheim
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Gesünder wohnen: Tipps der
KOMPASS-Umweltberatung Viernheim e.V. |
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Dicke Luft in Innenräumen?
Schadstoffquellen lassen sich eingrenzen
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Die Nase trieft, die Augen tränen
und begleitet wird das Ganze von
nicht enden wollenden Nies-
anfällen - die erste Selbstdiagnose
lautet Heuschnupfen. Stutzig wird
man erst, wenn man bemerkt,
dass die Beschwerden tagsüber
verschwinden und erst zu Hause,
vor allem nachts und morgens zurückkehren.
Der Verdacht fällt auf die
frisch renovierte Wohnung
Nirgendwo konzentrieren sich so
viele chemische Langzeitrisiken
wie in den Innenräumen.
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Gäbe es für die Luft in Wohnräumen verbindliche Schadstoffgrenzen, müssten rund zehn
Prozent aller Wohnungen in den alten Bundesländern als problematisch eingestuft wer-
den, schätzt der Berliner Hygieneprofessor Dr. Henning Rücken. Zwar ist die Schad-
stoffkonzentration jeweils einer Chemikalie im Vergleich zu vielen Arbeitsplätzen in der
Industrie gering, doch unerforscht sind die Kombinationenswirkungen von den vielen
unterschiedlichen Substanzen.
90 Prozent unseres Lebens verbringen wir in geschlossenen Räumen
Ein weiteres Risiko ist auch die lange Einwirkzeit: Gerade wir Nordeuropäer verbringen
statistisch gut 90 Prozent unseres Lebens in geschlossenen Räumen. Der genaue Blick
auf die Wohnumgebung lohnt sich also bei ständigen diffusen Beschwerden wie Kopf-
schmerzen, Abgespanntheit und/oder Augenreizungen.
Schadstoffquelle eingrenzen
Lassen sich die Beschwerden in einen zeitlichen Zusammenhang bringen mit der Neu-
anschaffung eines Möbelstücks oder der Renovierung, (wie eingangs beschrieben) dann
ist ein erster Schritt in die richtige Richtung getan. Lässt sich das Problem so eingrenzen,
kommt man um eine aufwendige Raumluftanalyse herum. Für Experten reicht oft schon
ein Ortstermin, um mit geübtem Blick die Ursache zu finden.
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Formaldehyd
Formaldehyd kann unter anderem
in Holzwerkstoffen wie Span- und
HDF-Platten enthalten sein. Hier
kann man sich relativ schnell eine
erste Orientierung verschaffen: In der
Apotheke gibt es für 25 Euro den
Bio-Check F der Firma Dräger.
Mit dem Messröhrchen kann man
innerhalb von zwei Stunden fest-
stellen, ob sich die Formaldehyd-
konzentration in einem kritischen
Bereich befindet.
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Der gesetzliche Grenzwert liegt für die Innenraumluft bei 0,1 ppm, das ist eins auf zehn
Millionen Teilchen. Viele Fachleute empfehlen den niedrigeren Wert von 0,05 ppm. Ist es
beispielsweise eindeutig, dass die neuen Möbel einen Messwert über 0,1 ppm verur-
sachen, kann man vom Kaufvertrag zurücktreten. Bei geringeren Messwerten ist es
ratsam, am Möbel Schnittkanten und Bohrlöcher abzukleben oder zu lackieren und den
Wohnraum konsequent zu lüften.
Pyrethroide
Auch mit Wolle kann man sich Gift ins Haus holen. Um Wollteppiche vor Motten zu
schützen, behandeln die Hersteller sie meist mit Pyrethroiden. Das sind Imitate des
Pflanzengiftes Pyrethrum aus der Chrysantheme. Während sich das natürliche Vorbild
schnell zersetzt, sind die künstlichen Pyrethroide sehr langlebig.
Wollteppichböden, die das GUT-Zeichen der Gemeinschaft umweltfreundliche Teppiche
tragen, müssen gegen Motten geschützt sein. Laut Auskunft von GUT ist das Pyrethroid
Permethrin fest an die Wollfaser gebunden. Untersuchungen haben festgestellt, dass
dennoch Pyrethroide durch normalen Abrieb in den Hausstaub gelangen und damit auch
eingeatmet werden können. Das Bremer Umweltinstitut hält diese Permethrinmenge zwar
nicht für akut giftig, aber empfindliche Menschen können damit bereits Schwierigkeiten
bekommen. Will man den wollenen Übeltäter nicht entsorgen, hilft nur häufiges feuchtes
Wischen und Staub saugen. Besser ist es jedoch, gleich Teppiche ohne Mottenschutz-
ausrüstung zu kaufen.
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Lösemittel
Wenn's stinkt, sind meist Lösemittel am
Werk, auch flüchtige organische Verbin-
dungen (VOC) genannt. Wer Farben,
Lacke, Kleber oder Abbeizer in der
Wohnung verarbeitet, ist sich der Ge-
fahren durch die schädlichen Ausdün-
stungen meistens nicht bewusst und
setzt sich damit häufig höheren Schad-
stoffkonzentrationen aus als am Arbeits-
platz zulässig wären. Doch nicht nur beim
unmittelbaren Verarbeiten entstehen
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Beeinträchtigungen. Auch wenn der Anstrich trocknet und die Lösemittel dann verdunsten,
tritt der unverkennbare Geruch auf. Leider können sie auch noch ausgasen, wenn die
Nase sie nicht mehr wahrnimmt. Durch häufiges Lüften verringert sich die Konzentration
mit der Zeit. Auch natürliche Lösemittel wie Terpene sind nicht ohne. Sie können die
Schleimhäute ebenso reizen wie ihre synthetischen Kollegen.
Holzschutzmittel
Seit den Aufsehen erregenden Skandalen der 80er Jahre haben Holzschutzmittel einen
schlechten Ruf. Obwohl inzwischen die Gifte von damals - Pentachlorphenol (PCP),
Lindan und DDT - in Deutschland verboten sind, gasen sie immer noch aus dem damit
behandeltem Holz aus. Problematisch ist dies nicht zuletzt deshalb, weil selbst geringe
Konzentrationen ausreichen, um bei steter Belastung krank zu machen. Deshalb sollte
man mit Holzschutzmitteln behandelte Gegenstände und Bauteile aus Wohnräumen
entfernen. Hier kann eine Laboranalyse entweder vom Hausstaub oder von verdächtigen
Holzelementen Aufschluss geben. Die Sanierung kann man unter bestimmten Umständen
von der Steuer absetzen. Voraussetzung ist auf jeden Fall, dass ein dafür zugelassenes
Labor vor der Sanierung ein aussagefähiges Gutachten erstellt.
Auch heute enthalten manche Holzschutzlasuren bedenkliche Inhaltsstoffe. Vorsicht
geboten ist vor allem bei Produkten, die vor Pilzen schützen sollen. Hier sollte man
besser die Finger weglassen. Dabei ist selbst im Außenbereich chemischer Holzschutz
fast immer überflüssig. Am besten baut man so, dass die Konstruktion das Holz gleich
mit schützt, zum Beispiel durch große Dachüberstände. Und man verwendet wider-
standsfähige Holzarten wie Robinie, Esskastanie, Eiche, Douglasie und Lärche.
Schwarz sehen: Fogging
Wenn sich innerhalb kurzer Zeit über Wände, Decke und Möbel eine schmierige, ruß-
schwarze Schicht legt, dann hat man es wahrscheinlich mit dem Fogging-Effekt zu tun.
Die genauen Ursachen dafür sind zwar noch nicht vollständig geklärt. Eine umfangreiche
Untersuchung des Umweltbundesamtes ergab, dass nahezu alle betroffenen Wohnungen
entweder frisch gebaut oder renoviert waren. Aus den verwendeten Baustoffen können
schwer flüchtige organische Verbindungen (SVOC) wie Weichmacher oder Glykolether
austreten. Enthalten sind vor allem in als lösemittelfrei deklarierten Farben und Lacken in
Bodenklebern, in PVC-Böden und -Tapeten und in den Kunststoffoberflächen von Dekor-
paneelen und Möbeln. Unter bestimmten Bedingungen wie dem individuellen Heizver-
halten oder an Wärmebrücken schlagen sich diese in der Wohnung nieder und lagern
sich dann als Schmutzpartikel ab. Laut Umweltbundesamt gilt das Ganze nicht als
unmittelbar gesundheitsgefährdend. Fachleute empfehlen auf jeden Fall, die Ursachen zu
ermitteln und die Schäden zu beseitigen. Weitere Informationen beim Umweltbundesamt,
Postfach 330022, 14191 Berlin, www.umweltbundesamt.de
Quelle: Öko-Test 01/2004
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Was tun?
Erst mal tief durchatmen. Frische Luft wirkt Wunder. Konsequentes, regelmäßiges
und richtiges Lüften schafft nicht nur verbrauchte Luft und Feuchtigkeit aus der
Wohnung, sondern auch viele Schadstoffe. Dazu während der Heizperiode mindestens
dreimal täglich die Fenster so öffnen, dass ein Durchzug entsteht. Je nach Wind und
Wetter ist die Raumluft in etwa fünf Minuten ausgetauscht. Bei gekippten Fenstern
dauert das Ganze nicht nur wesentlich länger, es geht auch mehr Energie verloren.
Bauteile kühlen aus und können somit Schimmel begünstigen.
Wer hilft weiter?
Berufsverband Deutscher Baubiologen, Reindorfer Schulweg 42, 21266 Jesteburg
Tel.: 0800/2001007, www.baubiologie.net
Verband der Holzschutzmittel- und Pyrethroidgeschädigten, Horst 5, 27313 Dörverden,
Tel.: 05165/913939, www.ihg-ev.de
Informationen zu Analyseinstituten in der Nähe Viernheims gibt beim KOMPASS-Umweltbüro, Tel. 8551
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