Umwelt-KOMPASS Viernheim
Heimwerkertipps der
KOMPASS-Umweltberatung Viernheim e.V.
Anstreichen: natürlich ökologisch

Anstreichen
natürlich
ökologisch


Wände streichen:
so geht's
Tipps zur richtigen Farbe:

Die heute gängigen Dispersionsfarben enthalten ein Bindemittel, das
entweder aus Kunst- oder aus Naturharzen besteht. Sie sind in
Wasser dispergiert, das heißt feinst verteilt. Die hauptsächliche
Lösungs- und Verdünnungsmittel dieser Farben ist also Wasser. Nur
eine sehr geringe Menge organischer Lösemittel wird zum Lösen der
an sich festen Harze benötigt. Wer Wert auf eine weitestgehend
unbeeinträchtigte Innenraumluft legt, sollte sich nach lösemittelfreien
oder noch besser emissionsfreien Farben umsehen.

Verwendbar sind Dispersionen auf Putz, Mauerwerk, Beton, Gips-
kartonplatten, Holz, Pappe, Tapeten und Textilien. Durch ihre Bestän-
digkeit, gute Haftung und Dampfdiffusionsfähigkeit haben sie die früher
häufig verwendeten Leim-, Kalk- und Kaseinfarben fast verdrängt.

Alle Dispersionsfarben können übrigens mit Volltonfarben abgetönt
werden.

Tipp: Versuchen Sie beim Kauf Eimer im Pfandsystem oder Farben im
Nachfüllbeutel zu finden. Sie vermeiden damit eine Menge Verpa-
ckungsabfall.

Dispersionssilikatfarben besitzen gegenüber den anderen Disper-
sionsfarben eine Reihe von Vorteilen. Sie sind außerordentlich
diffusionsfähig und damit besonders gut in der Lage, die Raumluft-
feuchte zu regulieren. Außerdem bieten sie durch ihren rein
anorganischen Aufbau Pilzen keinen Nährboden. Sie wirken aufgrund
ihrer alkalischen Eigenschaften sogar pilz- und keimtötend, ohne dabei
problematische Stoffe in die Raumlust abzugeben. Allerdings kommt
nur ein Kalkputz, Beton oder Kalksandstein als Untergrund in Frage.
Deshalb können Dispersionssilikatfarben auch nicht auf Tapeten
verstrichen werden.

Bindemittel ist hier das mineralische Kaliwasserglas, dem bis zu 5 %
Dispersionsbindemittel aus Kunstharzen zugesetzt sind. So sind sie
leichter zu verarbeiten als reine Silikatfarben, die hauptsächlich für den
Außenanstrich schützenswerter Bausubstanz verwendet werden. Bei
der Trocknung der Farbe verbindet sich das Kaliwasserglas chemisch
mit dem Kalk des Untergrundes und erhärtet zu einem wider-
standsfähigen, aber hochdiffusionsfähigen matten Film.

Mit der Deckenbürste auf den Putz aufgetragen, ergibt sich eine
schöne Struktur, und Sie sind vor den stark alkalischen Spritzern
sicherer. Auf jeden Fall müssen Sie bei der Verarbeitung Haut und
Augen mit Handschuhen, Fettcreme und Schutzbrille schützen sowie
alle Keramik- und Glasflächen abdecken (Fenster- und Türscheiben abkleben!).

Eine Abtönung ist nur mit geeigneten Pasten möglich. Dunklere Töne
müssen vom Hersteller angemischt geliefert werden. Dispersions-
silikatfarben sind mit normalen Dispersionen überstreichbar, aber nicht
umgekehrt. Solche Altanstriche müßten erst abgebeizt werden. Ver-
dünnt wird die Farbe mit speziellem Wasserglas-Grundanstrichstoff. Je
nach Beschaffenheit des Untergrundes benötigen Sie etwa 0,23 bis 0,35 Liter Farbe pro Quadratmeter.

Die althergebrachten Anstrichmittel
Kalk-, Kasein- und Leimfarbe
können nach verschiedenen Rezepturen preisgünstig selbst ange-
mischt oder im Naturfarbenhandel als Fertigpulver zum Anrühren ge-
kauft werden. Rezepte finden Sie u.a. in der "Infothek" Ihrer
Verbraucher-Zentrale (Ordner: Heimwerken). Die Farben sind schad-
stofffrei und bestehen aus nachwachsenden und/oder Rohstoffen, die
nicht knapp sind. Sie erfüllen also alle ökologischen Anforderungen
optimal.

Kalkfarben lassen sich wie Dispersionssilikatfarben nur auf einen
Untergrund aus Kalkmörtel streichen. Sie sind nahezu waschfest,
decken aber sehr schlecht. Zum Abtönen eignen sich nur kalk-
beständige Pigmente. Volltonfarben können nur in geringen Mengen
zugegeben werden, so daß lediglich Pastelltöne erreicht werden.

Wer außerdem jegliche Konservierungsstoffe vermeiden will, kann auf
Kalkwasserfarben zurückgreifen. Das sind fertige Gemische von
Bindemittel (Celluloseleim) mit Pigment- /Füllstoff-Mischungen. Die
trockene Masse müssen Sie gemäß der Verpackungsanweisungen
selbst mit Wasser mischen.

Kaseinfarben dürfen nach dem Streichen auf keinen Fall mehr feucht werden. Sie eignen sich also nicht für Feuchträume.

Leimfarben verfügen dagegen über ein gutes Deckvermögen auch auf
Tapeten. Sie lassen sich sogar mit Volltonfarben abtönen, bleiben
jedoch wasserlöslich und können mit keiner anderen als mit Leimfarbe
wieder überstrichen werden. Achten Sie darauf, dass pflanzliche
(Cellulose oder Stärke) und nicht etwa tierische Leime (Gelatine)
verwendet wurden. Letztere können nämlich selbst noch in ver-
strichenem Zustand verderben.


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