Umwelt-KOMPASS Viernheim
Heimwerkertipps der
KOMPASS-Umweltberatung Viernheim e.V.
Ein Fußboden bleibt nicht unter den Füßen

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Ein Fußboden bleibt nicht unter den Füßen!
Einen Teil seiner Bestandteile kann man
nämlich auch einatmen, entweder weil sie
beim
Begehen abgerieben werden oder weil sie
in die Zimmerluft verdampfen. Verschiedene
Fußbodenbeläge können die Zimmerluft unter-
schiedlich belasten. Deshalb lohnt es sich
schon, einigen Gehirnschmalz in die Auswahl zu investieren.

Um für eine bestimmte Nutzung geeignet zu
sein, müssen Fußbodenbeläge gleich mehrere
Kriterien erfüllen:

· Den Boden von Räumen, die man besonders gemütlich gestalten oder in
denen man gar barfuß umhergehen will, wie Wohn- oder Schlafzimmer,
möchte man auf jeden Fall fußwarm haben.
· Wer eine Fußbodenheizung hat, muss darauf achten, dass nicht alle
Fußböden dafür geeignet sind.
· Die Böden von Kinder- und Arbeitszimmern sollen außerdem strapazier-
fähig und leicht zu reinigen sein.
· Die Böden von Feuchträumen, also Bädern, WCs, Duschen, aber auch
Küchen, sollen Pfützen aushalten.
· Beläge für draußen, z. B. für Veranden, Terrassen oder Außentreppen
müssen zusätzlich frostsicher sein.

· Natürlich sollte der Bodenbelag auch frei sein von giftigen Ausdünstungen
(d. h. zugleich, dass er "verarbeitungsfreundlich" ist.) er sollte
· überhöhte Luftfeuchtigkeit binden und sie bei trockener Raumluft wieder
abgeben können. Mit dieser Eigenschaft bietet er den Bakterien, Schimmel-
pilzen und hausstaubbewohnenden Insekten und Milben ungünstige Lebens-
bedingungen, er sollte
· elastisch sein,
· sich nur wenig elektrostatisch aufladen
· sich nur wenig abreiben (d. h. Feinstäube erzeugen, die mitgeatmet
werden).
· schwer entflammbar sein und bei Brand keine Giftstoffe freisetzen
· gut zu reinigen sein.

Welche Fußböden erfüllen diese Anforderungen? Was ist bei der Verarbeitung zu beachten?

Holzfußböden (Dielen, Parkett, Pflaster):

Holz selbst erfüllt die gestellten Anforderungen.
Vorsicht ist aber geboten bei der Oberflächen-
behandlung und beim Verkleben.

Verwenden Sie zum Schutz der Holzoberfläche
und zur Erleichterung der Pflege möglichst keine
Kunststofflacke. Zum einen verliert das Holz
durch sie seine Regulierungsfähigkeit für Luft-
feuchtigkeit. Zum anderen verdampfen aus ihnen
Lösungsmittel oder auch Formaldehyd. Die aus
solchen Lacken verdampfenden Lösungsmittel
sind Reizstoffe für Bronchien und Lunge, außer-
dem können sie Kopfschmerzen und Magen-
beschwerden verursachen.

Formaldehyd reizt die Augen, die Atmungsorgane und die Haut, es kann
Auslöser für eine Allergie sein, und es begünstigte in Belastungsversuchen
mit Ratten die Entstehung von Krebs. Bei Hamstern und Mäusen kam es
nicht zur Krebsbildung; die Frage, wie sich der Mensch verhält, ist noch
offen.

Schützen Sie die Holzoberflächen lieber mit einer Imprägnierung aus
Naturharzöl, dessen Lösungsmittel aus dem pflanzlichen Balsamterpentinöl
besteht. Zwar sind alle Lösungsmittel - pflanzliche oder synthetische - als
flüchtige Stoffe, die eingeatmet werden können, und als radikale Entfetter
der Haut gesundheitsgefährdend, aber die Lösungsmittel pflanzlicher
Herkunft scheinen besser verträglich als z. B. Aceton, Leichtbenzin, Toluol,
Nitroverdünner, Äthylenacetat u. a. , wie sie in handelsüblichen Kunst-
stofflacken zu finden sind. Nach der Imprägnierung kann der Boden mit
Carnaubawachs (Hartwachs) behandelt werden.

Oder verwenden Sie für den Oberflächenschutz wasserverdünnbare Holz-
versiegelungen (Dispersionslacke), die als Zeichen ihres geringeren Schad-
stoffgehalts den "Blauen Engel" tragen.

Wenn Sie Parkett verkleben wollen, geben
sie den in Wasser gelösten Dispersions-
klebern auf Naturharz- oder Naturkautschuk-
basis den Vorzug vor lösungsmittelhaltigen
Klebern. Über die Wirkung von Lösungs-
mitteln: siehe oben. Kunstharze enthalten
häufig Formaldehyd (s. o. ), synthetische
Kautschuke andere Reizstoffe (z. B. Styrol,
Buradien). Sie können Parkett auch ohne
Kleber verlegen, indem Sie es nageln
(lassen); aber das erfordert sorgfältige Arbeit.

Linoleum

Linoleum besteht aus natürlichen Rohstoffen (Leinöl, Naturharz, Korkmehl,
Holzmehl, Farbpigmenten und anorganischen Füllstoffen, auf Jutegewebe
aufgewalzt) und erfüllt die gestellten Anforderungen. Vorsicht ist beim
Verkleben geboten.

Geben Sie den in Wasser gelösten Dispersionsklebern auf Naturharz- oder
Naturkautschuk- oder Gips-Casein-Grundlage den Vorzug (siehe auch unter
Holz).
Oder heften Sie nur mit einem Viertelholz am Rand.

Korkparkett

Dieses Material besteht aus dem Rindengranulat der Korkeichen, das im
gespannten Wasserdampf durch seine natürlichen Harz (ohne fremde Binde-
mittel) zusammengebacken wird. Es erfüllt die gestellten Anforderungen. Für
das Verkleben gelten dieselben Empfehlungen wie für Linoleum.

Steinfußboden

Abgesehen davon, dass Steinfußboden ohne Fußbodenheizung fußkalt ist
und selbst oder durch seine Glasuren unterschiedlich radioaktiv sein kann,
erfüllt er die gestellten Anforderungen. Nicht radioaktiv sind Dolomit, Travertin,
Solnhofer-Steine.

Auch hier ist Vorsicht beim Verkleben geboten. Alle Fliesenkleber (Dünnbett-
mörtel) enthalten Reizstoffe für die Haut, die Augen oder die Atemwege.
Ver-
meiden Sie asbesthaltige Kleber (möglicher Füllstoff in kunststoffvergütetem
Zementmörtel), denn Asbestfasern sind stark krebserregend.
Lüften Sie
gründlich, ehe Sie den neu gefliesten Raum bewohnen.

PVC-Beläge

Diese Beläge bestehen aus dem Kunststoff Polyvinylchlorid. Ihre Nachteile:

Sie können nicht die Luftfeuchtigkeit regulieren und laden sich elektrostatisch
auf. Im Brandfall bilden sie giftige Chlorgase. Sie enthalten als Stabilisator oder
als Farbkomponente in der Regel Cadmium, ein Metall, das sich für lange Zeit
in den Organen ablagert und besonders zu Nierenschäden führen kann. Auch
Blei wird als Stabilisator verwendet.
Als weiteren Zusatzstoff enthalten sie den
Weichmacher DEHP (Di-2-ethylhexyl)-phthalat), der bei Wärme und trockener
Luft aus dem Belag verdampfen kann (Fußbodenheizung!). DEPH steht auf der
Liste chemischer Substanzen, die nach Ansicht des "Beratungsgremiums für
umweltrelevante Altstoffe" vordringlich überprüft werden sollten, denn an Tieren
(z.B. Fischen, Mäusen, Ratten) sind bereits Gesundheitsstörungen beobachtet
worden. Wegen ihrer Grund- und Zusatzstoffe sind PVC-Beläge als Müll
schwer zu entsorgen. Über Deponien und Verbrennungsanlagen gelangen die
gesundheitsbelasteten Bestandteile in die Luft, das Wasser und in den Boden.

Wenn Sie sich trotz dieser Nachteile für einen PVC-Belag entscheiden sollten,
verkleben Sie ihn mit einem Dispersionkleber oder einem terpentinölhaltigen
Kleber auf Naturharz- oder Naturkautschukbasis. Oder verzichten Sie ganz auf
Kleber und heften ihn nur mit einem Viertelstab am Rand.

Teppichböden

Diese Beläge können aus tierischen (Wolle), pflanzlichen (Sisal, Kokos) und
synthetischen (Polyamid, Polyester, Polyacryl, Polypropylen) Fasern
bestehen. Sie erfüllen nur einen Teil der oben genannten Anforderungen an
einen guten Zimmerboden und haben folgende Nachteile:

1. Sie lassen sich von allen bisher aufgezählten Böden am wenigsten gut
reinigen.

2. Der Rücken (Untergrund) der meisten Teppichböden besteht aus Synthese-
Kautschuk (mit Styrol und Butadien als krebsverdächtigen Bestandteilen) oder
Polyurethan (mit Isocyanat als Reizstoff für Haut, Augen, Atemwege oder als
Allergieauslöser wirksam) oder PVC (mit Cadmium und dem Weichmacher
DEHP (s.o.)). Ein Teppichrücken aus solchen Chemikalien, durch den
Feuchtigkeit nicht mehr verdunsten kann, schafft für Bakterien, Schimmel-
pilze, Hausstaubmilben und -läuse ein günstiges Klima. Pilzsporen, Milben-
und Läusekot sind heutzutage häufig die Auslöser von Allergien.

3. Synthetische Teppichböden können sich elektrisch aufladen.

4. Um den genannten Nachteilen zu begegnen, bearbeiten viele Hersteller ihre
Produkte mit entsprechenden Zusatzstoffen, d. h. mit schmutzabweisenden,
antimikrobiellen, antistatischen und mottenvertreibenden Mitteln, über deren
gesundheitliche Auswirkungen noch keine Aussagen gemacht werden können.

Wenn Sie sich trotzdem für einen Teppichboden entscheiden, dann bevorzugen
Sie einen aus Naturfasern.
Versuchen Sie, einen Teppichboden ohne Rücken
zu bekommen, oder wenn schon Rücken, dann einen aus Naturkautschuk.
Leider hat nur ca. ein Prozent der mit Rücken ausgestatteten Teppichböden
eine solche Unterbeschichtung.

Es ist gesünder, den Teppich zu verspannen als ihn zu verkleben; allerdings
muss man diese Verspanntechnik so beherrschen, dass der Teppich an-
schließend keine Falten wirft und dadurch zur Unfallursache wird. Wenn Sie
den Teppich doch kleben wollen, dann wählen Sie einen Dispersionskleber auf
Naturharz- oder Naturkautschukbasis.

Beim Staubsaugen von Teppichböden passiert dasselbe wie beim Fegen oder
beim Bettenmachen: Die Konzentration des Schwebestaubes in der Raumluft
kann bis auf das Doppelte ansteigen. Es ist deshalb ratsam, nach dem Staub-
saugen gründlich zu lüften.

Quelle: Selbst renovieren - ökologisch! Hrsg.: VZ NRW, Düsseldorf

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